Dan Paisley & Southern Grass trafen auf Willie & The Poorboys |
Traditionsreiche Band spielt traditionellen Bluegrass Dan Paisley & The Southern Grass waren gemeinsam mit Willie & The Poorboys zu Gast im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg. Anlass war das gemeinsame Vatertagsfest der Illertal Cowboys und der Country & Western Friends Kötz am 17. Mai 2007. Da Dauerregen einen Strich durch das geplante Open Air vor dem Sportheim gemacht hatte, fand die Veranstaltung von 10 bis 19 Uhr indoors statt. Erfreulich viele Leute hatten trotz der widrigen Umstände den Weg ins Alte Sportheim gefunden, so dass der Raum stets voll besetzt war. Beide Formationen hatten viel Spaß und lieferten sieben abwechslungsreiche Sets ab. Die Geschichte von Dan Paisley & The Southern Grass, einer der renommiertesten Bluegrass Bands der USA, reicht zurück in die frühen 50-er Jahre, als Dan's Vater Bob Paisley mit dem Bluegrass begonnen hatte. Bob Paisley's Familie war kurz nach dessen Geburt im Jahr 1931 aus Sparta, North Carolina nach Norden gezogen, wo es Arbeit gab. Man hatte sich an der Grenze von Maryland zu Pennsylvania niedergelassen, in der Nähe von Landenberg, Pennsylvania. Die Paisley-Musik ist daher reichhaltig mit Elementen aus den Appalachen bestückt. Den Appalachen-Hintergrund hatte der Banjo-Spieler Ted Lundy ebenfalls aufzuweisen, der 1964 die Formation Ted Lundy & The Southern Mountain Boys gegründet hatte. An der Gitarre und dem Gesang war in jener Formation Bob Paisley zu finden, der bald schon zum Partner aufstieg, Ted Lundy & Bob Paisley & The Southern Mountain Boys, zwei Bluegrasser der ersten Generation. 1979 trennte sich Bob Paisley von Ted Lundy, der bald darauf krankheitsbedingt verstarb. Bob Paisley & Southern Grass hieß die Parallel- bzw. Nachfolgeband. Dan Paisley war als Gitarrist und Sänger 1974 zu Ted Lundy & Bob Paisley & The Southern Mountain Boys hinzugekommen und war seither mit seinem Vater unterwegs. Bob Paisley ist am 29. November 2004 verstorben, Dan Paisley & The Southern Grass sind jedoch so lebendig wie immer. Mit Bruder Mike Paisley am Kontrabass hatte Dan Paisley einen alten Weggefährten mitgebracht und die Söhne von Ted Lundy, Bobby Lundy an Banjo und Gesang und T.J. Lundy an der Fiddle brachten ihren Anteil ein, um die Tradition fortzusetzen. Entsprechend traditionell gehalten war die Musik, den rauhen Gesang der Mountain Music aus den Appalachen konnte Dan Paisley nicht verbergen. Ergänzt wurde die Formation durch Donny Eldreth an Mandoline und Gesang und Josh Daniels an Gitarre und Gesang, der erst vor sechs Monaten zur Band gestoßen war. "My Home's Across The Blue Ridge Mountains" hieß es am Anfang ganz autobiographisch, T.J. Lundy spielte den alten Hoedown "Sail Away Ladies" und der Titelsong der LP "The Old Swinging Bridge" von Ted Lundy & The Southern Mountain Boys von 1972 manifestierte endgültig das nostalgische Bild, das dieser traditionsreichen Formation zuteil wird. Selbst beim feinfühligen "Somewhere Between" sang Dan Paisley in der rauhen Mountain Tradition. Die Einsamkeit ist dabei immer wieder das Thema in der Musik. Im Gegensatz dazu, aber vielleicht auch daraus abgeleitet, zeigte die Band von Anfang an trotz der weiten Anreise eine herausragende Spielfreude, die sich positiv aufs Publikum übertrug. Erfreulich, dass auch Josh Daniels Gesangsparts einstreute, z.B. "I'll Take The Blame" von Flatt & Scruggs. Beim Fiddle Tune "Sally Goodin'" herrschte beste Stimmung und Donny Eldreth sang Bill Monroe's "Blue Night". "An Old Love Affair" war der Titelsong der 1981-er LP von Bob Paisley & The Southern Grass, bei der Dan und Mike Paisley bereits beteiligt waren. Von Stephen Foster brachten sie "My Old Kentucky Home" ein, das Lied reicht rund 150 Jahre zurück. Für Dan Paisley war dies die bereits sechste Europatournee, die letzte liegt freilich 12 Jahre zurück. Trotz aller Distanz fühlten sich die Musiker in jeder Hinsicht wohl und gaben alles. Donny Eldreth spielte "Monroe's Hornpipe" und "Dusty Miller". Von Hylo Brown kam "The Room Over Mine". Bobby Lundy hatte für Jimmy Martin & The Sunny Mountain Boys gespielt, er ist seinem Vater nicht unähnlich, nicht nur, was das Instrument und das Aussehen angeht, auch die Lebensgewohnheiten des Vaters scheint er ein wenig fortzusetzen. Er bringt aber außergewöhnliche Virtuosität auf dem Banjo in die Band ein und sein Gesang ist beim dreistimmigen Satzgesang sehr wertvoll. Dan sang "Kentucky Waltz", und nach drei ausführlichen Sets gab's u.a. noch als Zugaben "In The Pines" und mit Willie "The Old Home Place". Willie & The Poorboys aus Kempten im Allgäu hatten den Vormittag eröffnet und spielten vier Sets, der letzte endete um 19 Uhr unter Beteiligung von Bobby Lundy und Dan Paisley, was den Musikern und dem Publikum besonders viel Freude zu bereiten schien. Willie selbst singt, er wechselte akustische Gitarre und Mandoline ab, wobei Sam Bush sein großes Vorbild ist. Die Band hat ihren Namen bei "Down On The Corner" von CCR abgeholt, dieses Stück und andere von der Band sangen sie entsprechend gerne, z.B. auch "Bad Moon Rising". "C'est La Vie" und "Johnny Be Goode" von Chuck Berry führten in die Rock'n'Roll-Ära zurück, ansonsten spielen sie viele bekannte Oldies aus Country und Pop. Elektrischer Bass und elektrische Gitarre, sowie akustische Gitarre kommen hinzu, etwas National Steel, was noch ausbaufähig wäre. Billy Joe Shaver mit "I'm Gonna Live Forever" zeigte, dass man sich auch auf speziellere Songschreiber zurückziehen kann und "Dixieland Delight" von Alabama war natürlich eine Position 1 in den Country Charts. "Teach Your Children" von Crosby, Stills & Nash belegte, wo die Stärken der Formation liegen, beim Gesang und durchaus auch beim mehrstimmigen Satzgesang. Im vierten Set brachten Willie & The Poorboys ein geiles "Fürstenfeld" von STS. Die Abwechslung macht's, beide Formationen brachten gänzlich unterschiedliche Musik und so war der verregnete Vatertag wie im Flug vorbei. Auch die aus Österreich und der Schweiz angereisten Gäste hatten ihre weite Anfahrt nicht bereut. (Friedrich Hog) |