Interview mit den Bellamy Brothers

Das Interview führte Kai Ulatowski mit Howard Bellamy


Kai:

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview bei Countrymusic24.com nimmst. Seit wann gibt es die Bellamy Brothers bzw. wann war Euer erster offizieller gemeinsamer Auftritt?

Howard:

Also, David und ich sind beide in Florida geboren und auf einer Rinderfarm aufgewachsen. Unsere Eltern haben Orangen angepflanzt und Rinder gezüchtet. In unserer Familie gab es sehr viel Musik und wir haben viel mit unserem Vater zusammen musiziert und in regionalen Clubs gespielt. Unser erster richtig bezahlter Auftritt als "The Bellamy Brothers" fand beim Rattlesnake Roundup statt.

Kai: Wer schreibt eure Songs?
Howard:

Wir schreiben die Mehrzahl der Songs selbst und ich würde sagen, es sind etwa
98 % unserer Songs, die von uns stammen. Wenn uns ein richtig toller Song angeboten wird, dann nehmen wir den schon mal auf, aber im Grunde genommen schreiben wir unsere Songs selbst.

Kai: "Let your love flow" war in Deutschland seinerzeit über zwei Monate auf Platz 1 in den Charts. Was ist das für ein Gefühl weltweit so populär zu sein?
Howard: Wie ich bereits schon gesagt habe, kommen David und ich aus einer kleinen Gemeinde in Florida und es war für uns unvorstellbar, dass einer unserer Songs ein solcher Welthit werden könnte. "Let Your Love Flow" war, soweit ich mich erinnere, ein Nummer eins Hit in 14 Ländern. Aber Deutschland war noch etwas ganz Besonderes. Hier war der Song über acht Wochen auf Nummer 1 und wurde ein Monsterhit. Das war ein unheimlich tolles Gefühl und Deutschland war dann auch eins der ersten Länder außerhalb der USA, in dem wir auf Tour waren. Es war toll damals und wir sind immer noch der Meinung, dass wir unseren deutschen Fans für diesen großen Erfolg immer noch was schuldig sind.
Kai: Wo bekommt Ihr die Motivation her, on Tour zu sein und die Fans mit Eurer Musik zu begeistern?
Howard: Ich denke, dass kommt daher, dass es uns selbst immer noch jede Menge Spaß macht, auf der Bühne zu stehen und unsere Songs zu präsentieren. Viele Leute fragen uns oft, warum wir noch nicht in den Ruhestand gegangen sind, aber für uns gibt es keine Müdigkeit. Wir wissen gar nicht, was Ruhestand, Rente oder Pension heißt. Wir haben immer zwischen 175 und 200 Shows im Jahr gespielt und machen das auch noch weiter, solange wir können. Wir kennen kein anderes Leben. Das ist das, was wir immer gemacht haben. Es macht uns immer noch jede Menge Spaß und unsere Gesundheit spielt Gott sei Dank immer noch mit. Wir haben einfach tolle Fans rund um die Welt.
Kai: Wie seid Ihr dazu gekommen, ein Gospelalbum aufzunehmen?
Howard:

David und ich wuchsen in der Baptistengemeinde unserer Heimatstadt Darby, Florida auf. Dort haben wir auch begonnen zu singen. Gospelsongs waren das erste in der Kirche, was wir gesungen haben. Wir haben die Gospels immer geliebt, weil sie so melodisch sind und den Harmoniegesang so schön hervorheben. Wir betrachten Musik sowieso immer etwas anders, als viele andere. Wir lieben beispielsweise Rock, Reggae und viele andere Spielarten. Durch unsere erfolgreiche Karriere sind wir in der glücklichen Lage, viele verschiedene Sachen musikalisch auch zu produzieren. Wir haben dieses Gospelalbum, was auch wieder anders ist, als andere Gospelalben, denn normalerweise werden auf Gospelalben immer traditionelle Songs neu eingespielt, wir aber haben die meisten Songs selbst geschrieben.

Kai:

Ihr habt einen Song "Drug Problem" auf dem Album. Ist dieser so zu verstehen, dass für Euch der Glaube wie eine Droge ist?

Howard: Nein, wenn Ihr den Song übersetzt, dann werdet Ihr merken, dass es ein sehr humorvoller Text ist. Es geht um Leute, die ein Drugproblem haben. In Amerika gibt es den Ausdruck "To drug somebody". Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass deine Familie z. B. mit zur Kirche schleppt, mit zu Familienfeiern wie Hochzeiten, Beerdigungen usw. Das bedeutet sozusagen, dass Dich jemand irgendwo hin mitschleppt und dich nicht alleine entscheiden lässt.
Kai:

Ihr mischt auf diesem Album religiöse Texte mit einer Portion Humor, während in Deutschland Religion ein sehr ernstes Thema ist. Wie denkt ihr darüber?

Howard: Wir denken, dass Gott schon einen Sinn für Humor hat. Guck Dir die Welt von heute an und guck dir die Welt im Allgemeinen an. Gott muss schon einen Sinn für Humor haben. Auch wir als Bellamy Brothers hatten schon immer viel Humor in unseren Songs und ich denke, gerade die Verbindung zwischen dem Humor und dem Gospel bringt eine Menge Leute, die normalerweise keine Gospelmusik hören, dazu, aufmerksam zuzuhören. Ich denke, wir berühren einen empfindlichen Punkt bei Leuten, die normalerweise diese Art von Musik nicht hören würden.
Kai:

Der "Old Hippie" geht nunmehr in die dritte Runde und denkt über Religion und Glauben nach. Ist diese Triologie ein bisschen Eure Biografie?

Howard:

Absolut, vollkommen richtig, so ist es. Der "Old Hippie" hat genauso gelebt, wie wir und die gleichen Sachen erlebt, die wir erlebt haben in den letzten 30 Jahren. Wir haben so ungefähr alle zehn Jahre eine neue Version des "Old Hippie" aufgenommen und ich denke, dass war jetzt genau das richtige CD Projekt um den "Old Hippie Part. III" aufzunehmen.

Kai:

Wo und wie kann man Eure CD bestellen?

Howard: Ich denke, in der heutigen Zeit, laden sich die meisten Leute die Songs aus dem Internet. In den USA haben die größten Plattengeschäfte, wie z. B. Tower Records ihre Läden geschlossen, weil die Leute nur noch aus dem Internet downloaden. Ihr könnt unsere Songs natürlich über unsere eigene Homepage www.bellamybrothers.com downloaden oder aber über I-Tunes, das sind die besten Möglichkeiten unsere Musik down zu loaden.
Kai:

Wird es eine weitere neue CD der Bellamys geben?

Howard: Ja, wir denken immer schon an die nächste CD. Das hat uns immer angetrieben über die vielen Jahre. Wie schon erwähnt, ist Ruhestand keine Option für uns, solange wir gesund bleiben. Die neue CD hat so gute Kritiken bekommen und gerade hier in den USA sind die Fans so positiv, dass sie neue Musik von uns zu hören bekommen, naja wir werden sehen. Trotzdem sind wir natürlich immer dabei, neue Songs zu schreiben. Es gibt aber noch keine konkrete Planung für das nächste Album. Wir arbeiten immer an neuen Songs und wir haben auch jetzt schon wieder viele Songs, die wir gerne aufnehmen möchten.
Kai:

Wird es wieder eine Tour nach Europa, insbesondere nach Deutschland geben?

Howard:

Ja, wir kommen im September wieder nach Europa. Wir haben Termine in der Schweiz, in Dänemark. Wir waren ja gerade im Juni in Deutschland. Aber wir kommen jetzt im September wieder und haben Termine in Norwegen, Dänemark und der Schweiz. Ich sehe zurzeit keinen festen Termin in Deutschland, aber wir kommen garantiert wieder. Aber wir kommen garantiert ein- bis zweimal im Sommer auf Tour nach Europa. Unsere Tourdaten gibt es auch immer aktuell auf unserer Homepage. Außerdem kann man auch Songs runterladen und so weiter.

Kai: Im November wurden ja wieder die CMA Awards verliehen. Wir hier in Deutschland denken schon seit vielen Jahren, dass IHR den Award verdient hättet. Wie denkt Ihr über die Konkurrenz in diesem Jahr?
Howard: Wenn man solange dabei ist, wie David und ich, dann sieht man die Sache etwas gelassener. Diese Awards sind mehr etwas wie ein Promotionwerkzeug für die jüngere Künstlergarde, weniger eine Auszeichnung, die man verdient hat. Die Plattenfirmen kontrollieren diese Awardverleihung. Wir beide fühlen uns aber besonders geehrt, dass wir vor einigen Jahren in die Deutsche Countrymusic Hall of Fame aufgenommen wurden. Das war eine große Ehre für uns.
Kai:

Wenn es nach uns deutschen Fans geht, dürftet ihr auch schon längst in der Country Music Hall Of Fame in Nashville sein.

Howard: Ja, ich denke, die Deutschen haben die etwas besseren Ohren.
Kai:

Gibt es noch etwas, dass Du unserer Hörern übermitteln möchtest?

Howard:

Ich kann mich nur wiederholen und betonen, wie glücklich wir darüber sind, dass wir auch in Deutschland so großen Erfolg über die vielen Jahre haben. Wir waren so oft in Deutschland und haben immer wieder eine tolle Zeit gehabt und sind einfach nur dankbar für so viele gute Fans in Deutschland.