Countrynight Gstaad 2013
Flynnville Train

LeAnn Rimes

Time Jumpers

Gretchen Wilson

Der Dampfhammer zum 25jährigen Jubiläum der Countrynight

Seit einem viertel Jahrhundert gibt es nun diese eine Veranstaltung im Berner Oberland, welche jährlich etliche tausend Country Fans ins verträumte Gstaad lockt. Die Countrynight Gstaad feierte heuer ihr 25jähriges Bestehen. Seit dieser Zeit ist Marcel Bach und sein grandioses Team damit beschäftigt, das Niveau kontinuierlich oben zu halten. Bei der ersten Countrynight 1989 gab es Loretta Lynn und Conway Twitty auf der Bühne. Somit war die Messlatte gesetzt. Zum 25jährigen Jubiläum war es dann wohl Zeit, dieses Ereignis mit einem abermals großartigen Line-Up zu versehen. Es gab wieder einmal einen Querschnitt durch fast alle Facetten der Countrymusik. Von Southern Rock über Balladen, Heartbreak- und Story Songs, bis hin zum Westernswing in Perfektion.

Den Anfang machten FLYNNVILLE TRAIN, eine Band aus Indiana. Die Brüder Brent und Brian Flynn holten sich 2001 noch Joseph Shreve an den Bass und Tommy Bales ans Schlagzeug. Dieser Formation ist die Energie und Spielfreude direkt anzusehen. Treibende Grooves und exzellente Gitarrenarbeit sind die Unterlage für die Stimme von Brian Flynn. Hierbei ging es gleich richtig zur Sache auf der Bühne. Die vier Jungs gaben mächtig Gas und schon bald brodelte die Stimmung im gut gefüllten Galazelt. Es gab einen Querschnitt durch alle ihre Alben „Flynnville Train“, „Redemption“ und das nagelneue Album „Back on track“. Auch der Song „Green River“ von CCR wurde in ihrer Version dargeboten. Die neue Single „Tip a can“ sorgte beim Publikum für tobenden Applaus. Etwas ruhiger ging es bei dem Titel „33 Steps“ zu. Die Ballade beschreibt den Weg vom Ryman Auditorium in Nashville hinüber zu Tootsies Orchid Lounge. Brian Flynn erklärt, dass dieser Weg 33 Schritte lang ist, und viele Countrygrößen und Legenden diesen Weg nach ihrem Auftritt in der Opry schon gegangen sind. Mit „Last Good Time“ verabschiedete sich sympathische Band FLYNNVILLE TRAIN unter Standing Ovation von der Bühne, so dass es natürlich noch zu einer Zugabe kommen musste. „Midnight Rider“, ein Titel der legendären Allman Brothers beschloss den Auftritt der vier Energiebündel aus Indiana. Wer von dieser Band nicht genug bekam, hatte noch die Chance auf die Aftershow-Party. Nachdem die Hauptkonzerte vorbei waren, konnte man mit FLYNNVILLE TRAIN in die Nacht noch Party machen.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde der Headliner der Countrynight Gstaad durch Moderator Jürg Hofer angesagt LEANN RIMES startete mit dem Titel „Family“ in ihr knapp 70-minütiges Set. Dabei gab es sowohl ein paar Lieder des neuen Albums „Spitfire“, als auch Titel aus älteren Alben -  teils in ein Medley verpackt,  der aus Texas aufgewachsenen Künstlerin zu hören. Kurz vor der Countrynight in Gstaad hatte sich LeAnn noch zwei Finger der linken Hand gebrochen. Man sah ihr die Schmerzen deutlich an, aber – „The show must go on“ – so die Künstlerin. Auch war eine kleine Nervosität ihrerseits nicht zu bestreiten. Ihre Show am Samstag war stimmlich besser als das Konzert am Freitag. An beiden Tagen unterhielt sie das Publikum bestens und scherzte immer wieder mit den anwesenden Gästen im Galazelt. Als „Showstopper“ erwies sich der Titel „Blue“. Mit selbigen hatte sie doch im Alter von 13 Jahren auf sich reden machen und den richtigen Start für ihre Karriere in Stein gemeißelt.  Ein ebensolcher Showstopper war die neue Single „Gasoline and Matches“ – auf ihrem aktuellen Album im Duett mit dem mehrfachen Grammy-Preisträger Jeff Beck. Letzten hatte sie nach eigenen Aussagen leider nicht in der Hosentasche dabei. Somit fiel die Wahl des Duettpartners in Gstaad auf ihren Gitarristen Greg Hagan. Auch bemerkenswert waren die Titel „Can’t fight the moonlight“ und „Life goes on“ welche man ja eher im Pop-Charakter schon des öfteren im Radio gehört hat. Diese Titel wurden in einer wunderbaren Country-Version mit Pedal-Steel Guitar kredenzt. Am Ende ihres Sets gab es Standing Ovation und als Zugabe gab es einen Ohrenschmaus vom Feinsten. Nur mit der akustischen Gitarre begleitet sang LEANN RIMES den Titel „Halleluja“ und brachte damit Gänsehautstimmung ins Berner Oberland.

Halbzeit – nun hatten die Gäste eine Stunde Zeit, sich in der Tennishalle vor dem Galazelt einen kleinen Happen einzuverleiben, an der Bar etwas zu trinken oder sich einfach mit anderen Konzertbesuchern auszutauschen. In der Zwischenzeit wurde die Bühne für die nächsten elf Musiker vorbereitet. Man nehme einfach die Oberliga der Studiomusiker aus Nashville, füge sie in einen Raum zusammen und lasse sie spielen. Das Ergebnis nennt man dann TIME JUMPERS. Diese Formation brachte das Galazelt abermals zum Brodeln. Laut ihren Aussagen machen sie zeitlose Musik, welche in Richtung Western Swing geht. Dabei bestechen Kenny Sears, Joe Spivy und Larry Franklin an der Fiddle und tauchen mit ihrem Triple-Fiddle-Sound das Zelt in die richtige Atmosphäre. Weitere Musiker der TIME JUMPERS wären unter anderem noch Dawn Sears, dann der großartige Vince Gill und „Mr. Pedal Steel“ Paul Franklin. Wenn man zu Hause im Plattenregal irgendein CD-Cover aufschlägt und bei den Musikern nachschaut, welche auf der CD mitgespielt haben – es ist mit Sicherheit immer einer der TIME JUMPERS mit vertreten. Auch die Spielfreude der Band war nicht abzustreiten. Schon vom ersten Song an scherzten und feixten die Musiker untereinander sowie mit dem Publikum. Dabei war aber stets der Respekt untereinander zu sehen und auch bei den virtuosen Solis der Künstler spielte sich keiner unnötig in den Vordergrund. Nahezu jeder Musiker trug auch gesanglich zum fast 90-minütigen Set der TIME JUMPERS bei. So gab es eine bunte Mischung aus getragenen Titeln und flotten Westernswing-Melodien, teils auch instrumental. Die Stimmen von Dawn Sears und Vince Gill setzten dem Ereignis noch das sprichwörtliche I-Tüpfelchen auf. Bei Titeln wie „Big Balls in Cowtown“ und „I hear you Talking“ hielt es keiner lange ruhig auf seinem Stuhl aus. Standing Ovation erntete auch Vince Gill nach dem Titel „Sixpack to go“, ein eher blueslastiger Titel mit sehr witzigem Text. Dawn Sears sagte zum Ende des Sets noch, dass man hier wohl die besten Musiker höre. Das Publikum war wohl derselben Ansicht und honorierte den Auftritt der TIME JUMPERS mit nicht enden wollendem Applaus und Standing Ovation.

Es fand nun die letzte Umbaupause des Abends statt. Bevor der letzte Act der Countrynight Gstaad auf die Bühne kam, richtete erst Marcel Bach, der Veranstalter des Events, ein paar Dankesworte ans Publikum und die Sponsoren, welche ihm nun schon 25 Jahre die Treue halten. Auch gab es auf den Leinwänden ein paar Videobotschaften von Künstlern aus vergangenen Countrynights und Rückblicke auf die Konzerte der letzten 25 Jahre, angefangen von Loretta Lynn bis heuer.
Dann wurde GRETCHEN WILSON angekündigt und auch ihr Set ging kräftig zur Sache. „Funk #49“ und „Here for the party“ stimmten das Publikum auf die nun folgenden 100 Minuten Show ein. Die anwesenden Besucher bekamen einen Querschnitt durch alle Alben und auch noch ein paar verkaufstechnische Hinweise auf die noch kommenden Silberling der Künstlerin aus Pocahontas, IL aus ihrem eigenen Recordlabel. Normalerweise sei sie gewohnt, das Publikum nicht in bestuhlter Atmosphäre, sondern direkt vor der Bühne zu haben. Im letzten Drittel ihrer Show hat sie dann die Fans nach vorne an die Bühne gebeten. GRETCHEN WILSON liebt die Nähe zu den Fans und von daher war die Situation in Gstaad für sie schon etwas seltsam, teilte sie uns mit. Ein paar Titel aus dem aktuellen Album durften natürlich nicht fehlen. Das ganze Set der Künstlerin war überwiegend rockig aufgestellt und auf Party ausgelegt. Nach tollen 100 Minuten, donnerndem Applaus und Standing Ovation kam GRETCHEN WILSON wieder für eine Zugabe auf die Bühne. Jetzt gab es den Titel „Redneck Woman“, der sie vor knapp 10 Jahren an die Spitze der Charts katapultierte.

Die Countrynight Gstaad hat zum 25-jährigen Jubiläum mächtig Dampf gemacht. Alle Künstler haben perfekt abgeliefert und es war eine gute Mischung für fast alle Besucher im Galazelt. An dieser Stelle noch einmal ein Kompliment an Marcel Bach und sein Team. Für die Bluegrass-Fans war dieses Jahr leider nichts dabei, aber die nächste Countrynight Gstaad kommt bestimmt!

Rainer M. Pech
für Countrymusic24.com
 


erstellt am 22.09.2013 von Rainer
 
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