Countrynight Gstaad 2015
Gatlin Brothers

Patty Loveless

Philipp Fankhauser

Chris Young

Vier Acts – 29 Musiker – Country und Blues in der Schweiz

Schon bei der Einfahrt nach Gstaad wird deutlich – der kleine Ort im Berner Oberland steht wieder komplett im Zeichen der Countrymusik. Wie jedes Jahr im September zieht es mehrere tausend Fans dieser Musik in die Schweiz. Überall sieht man Menschen in Westernoutfit in Richtung Galazelt strömen. Der Grund hierfür ist ein ganz einfacher. Das Team um Marcel Bach hat zur Countrynight Gstaad geladen und insgesamt vier Acts für Freitag und Samstag gewinnen können.

Den Anfang machen die Brüder Larry, Steve und Rudy Gatlin – die Gatlin Brothers aus Texas. Schon von der ersten Sekunde an hatten sie die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite. Wohl auch dem geschuldet, dass sie ihr 60-minütiges Set mit ihrer stimmgewaltigen A cappella-Version der Schweizer Nationalhymne begonnen haben. Danach gesellen sich noch drei weitere Musiker auf die Bühne und somit ist die Band mit Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gitarren komplett. Die folgende Stunde vergeht wie im Flug und erscheint vielen im Publikum viel zu kurz. Die drei Brüder – vor allem Larry – wissen genau, wie man das Publikum entertaint. Sie führen mit viel Witz und Charme durch ihr Programm und sind auch nicht um einen Scherz verlegen. So wird kurzerhand der laufende Titel unterbrochen und für ein Foto posiert, um danach nahtlos den Song zu beenden. Es gibt fetzige Titel wie „Boogie & Beethoven“, aber auch leise Töne sind für das stimmgewaltige Trio kein Problem. Das wunderschöne „All the gold in California“ wird mit Standing Ovations und viel Applaus vom Publikum honoriert. Es gibt auch eine kleine Hommage an Johnny und June Carter Cash. Der Titel „Help me“ wird auf jedem Konzert der Gatlin Brothers gespielt, weil sich June Carter Cash diesen Titel von den Brüdern für ihre Beerdigung gewünscht hatte. Optisch begleitet wird die Ballade mit Fotos von Johnny und June an den Videowänden. Larry versucht auch immer wieder seine Songs zu erklären, wodurch die ständige Interaktion mit dem Publikum gegeben ist. Stolz erzählt er, dass einst Elvis zwei seiner geschriebenen Lieder aufgenommen habe. Mittlerweile singen die Brüder schon 60 Jahre zusammen. Angefangen hat es mit Gospelsongs in der Kirche. So gibt es als Zugabe nach einer viel zu kurzen Stunde noch einen Ohrenschmaus aus diesem Genre. Nur zu dritt erklingt ein wunderschönes „Halleluja“ in a cappella – nur mit den Stimmen von Larry, Steve und Rudy. Unter tobenden Beifall und Standing Ovations verlassen die Gatlin Brothers die Bühne.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es weiter im Programm. Es folgt nun eine „Wiederholungstäterin“ der Countrynight Gstaad. Schon 2005 war Patty Loveless in die Schweiz gereist. Dieses Jahr mit einer neuen Band und neuem Programm. Wirkte sie am Freitag noch etwas verhalten, so kam am Samstag das Publikum voll auf seine Kosten. Mit Titeln wie „Timber“ und „Loving all night“ spielt sich Patty in die Herzen der Zuschauer. Sie überzeugt mit einer souveränen Bühnenpräsenz und dem richtigen Mix aus schnellen Songs und gefühlvollen Balladen. Ihre Band und die Solisten bekommen auch das nötige Rampenlicht, und so gibt es immer wieder Zwischenapplaus für verschiedene Solis der einzelnen Musiker. „Crazy Arms“ ist zum Beispiel so ein Titel. Patty ist stimmlich stets präsent und erzählt auch gerne von verschiedenen Duetten mit George Jones. Seine Rolle als Duettpartner in der Show nimmt in Gstaad ihr Gitarrist ein. Der Song „Why baby why“ – ebenfalls aus der Feder von George Jones – sorgt wieder für etwas Schwung im fast ausverkauften Galazelt. Bei der Vorstellung der Bandmitglieder ist Patty Loveless sichtlich gerührt, als sie ihren Pianisten vorstellt. John Jarvis ist ein gefragter Studiomusiker und hat auch schon etliche Jahre mit ihr Musik gemacht, sei es live oder auf ihren Studioalben. Etwas über eine Stunde dauerte das Set von Patty und gegen Ende hin lässt das Pianointro auf den Titel „When I think about Elvis“ hindeuten. Mit dieser Nummer geht es dann auch für die sichtlich gerührte Patty Loveless unter Standing Ovations von der Bühne der Countrynight Gstaad.

Nun folgt eine etwas längere Pause. Die vielen Besucher hatten hier etwas Zeit, sich die vielen Stände in der Halle vor dem Zelt zu betrachten. So gibt es hier mehrere Bars, Essensstände, Musikbedarf und vieles mehr.

Wir finden uns wieder im Galazelt ein und bemerken als erstes die Instrumente auf der Bühne. Viele beeindruckt hier gleich zu Anfang die Hammond-Orgel mit einem echten rotorbetriebenen Leslie daneben. Moderator Jürg Hofer kündigt den nun folgenden Künstler an. Ein Künstler, der mit einer Bläsersektion auf der Bühne steht. „Das gab es zuletzt bei den Mavericks in Gstaad“, so Jörg Hofer bei seiner Anmoderation. Der Bluesmusiker Philipp Fankhauser aus dem schweizerischen Thun betritt mit seiner Band die Bühne, allesamt mit Anzug und Krawatte.  Jetzt stellt man sich die Frage: Ein Bluesmusiker auf der Countrynight? Letztendlich kann man an der Reaktion des Publikums erkennen, dass es sicherlich keine falsche Wahl gewesen ist. Schon von den ersten Takten an reißen Fankhauser und seine Musiker die Countryfans mit, die auch reichlich Szenenapplaus für die Solistenspenden, welche meisterhaft ihre Instrumente beherrschen. Dem Zuschauer bietet sich ein gelungenes Zusammenspiel aus schnellen und langsamen Bluesstücken, emotionalen Balladen und ehrlicher, handgemachter Musik von acht grandiosen Musikern. Manchmal könnte man meinen, Joe Cocker stehe auf der Bühne, weil die Stimme von Philipp Fankhauser schon etwas an ihn erinnert. Für viele Titel gibt es donnernden Beifall, wie zum Beispiel für die Ballade „Rainy night in Georgia“ – Gänsehautfeeling im Galazelt. Bemerkenswert ist die Dynamik der Band, wie sie blitzschnell von laut auf leise wechselt oder in einen neuen Titel umschwenkt. Immer wieder interagiert Fankhauser mit dem Publikum und treibt allerlei Späße auf der Bühne. Der Schweizer Bluesmusiker spielt auf der Bühne auch Gitarre, obwohl ihn sein Gitarrenlehrer damals als „talentfrei“ abgestempelt hat. Jetzt wäre er wohl anderer Meinung. Vielen Schweizern ist der Künstler sehr wohl als Juror der TV-Show „The Voice of Switzerland“ bekannt. Auch seine Diskografie der letzten 30 Jahre brachte ihm bis dato neunmal Gold und Platin ein. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es gegen Ende seiner fast 90-minütigen Show nahezu das gesamte Zelt nicht mehr auf den Sitzen hält. Die Bühnenpräsenz Fankhausers sowie der kompletten Band reißt einfach jeden mit. Um die Frage von vorhin zu beantworten: Blues auf der Countrynight? Wenn man nach dem Publikum geht, war das eine richtige Entscheidung. Standing Ovations und mehrere Zugaben sprechen hier ein deutliches Urteil für den sympathischen Bluesmusiker.

Es folgt nun die letzte Umbaupause des Abends. Vor der Bühne wird es schon eng, weil alle Fotografen den besten Platz erhaschen wollen. Doch vor dem Headliner gibt es die traditionelle Ansprache des Veranstalters Marcel Bach. Er bedankt sich beim Publikum für die Treue zur Countrynight Gstaad und erwähnt die Sponsoren, ohne die auch ein solches Festival nicht möglich sei. Danach ist die Spannung kaum mehr auszuhalten. Das Licht geht aus und die Show beginnt. Mit dem Titel „A.M.“, dem Titelsong aus seinem aktuellen Album, betritt ein gutgelaunter, spielfreudiger und motivierter Chris Young die Bühne im ausverkauften Galazelt. Diese Spielfreude zieht sich wie ein roter Faden durch sein Programm und auch seine Band spiegelt diese Freude wieder. Gleich als zweites präsentiert er uns seinen Nummer Eins Hit „Getting you home“, für den es nicht nur Charterfolge, sondern auch eine Grammy-Nominierung gab. Zwischen den Titeln erzählt er ein wenig von sich, dass ihm sein Großvater schon Country-Platten vorgespielt habe und sein Idol Keith Whitley sei, von dem er bei seinem Debüt in der Grand Ole Opry eine Original Gitarre spielen durfte. Natürlich wurde ein Song seines Idols auch ins Programm aufgenommen. So kam das begeisterte Publikum in den Genuss des Titels „When you say nothing at all“ von 1988. Immer wieder schäkert er mit seiner Band und entschuldigt sich bei ihnen, weil er ständig die Setliste umstellt. Etwa in der Mitte seines Set erklingt seine aktuelle Single „I’m coming over“, welche auch der Titel seiner aktuellen Tour ist. Chris selber war vorher schon mit Künstlern wie George Strait und auch Miranda Lambert auf Tour. Ein Augenmerk gilt wohl dem Pedal-Steeler der Band. Bei der Bandvorstellung hebt Chris Young ihn mit den Worten hervor: „Dieser Mann hat einen Grammy bekommen für das, was er macht“. Terry Crisp improvisiert kurzerhand etwas auf seinem Instrument, begleitet vom Zwischenapplaus des Publikums, um dann in das Intro des Titels „Neon“ zu wechseln. Auch die Freunde von Western-Swing und Jazz bleiben bei Chris Young nicht auf der Strecke. „I left my heart in San Francisco“ beigeistert ebenso wie die rockige Nummer „Sharp dressed man“ von ZZ Top, welche als Coverversion ins Set von Chris Young eingebaut wird. Bevor es mit „Save water, drink beer“ in den viel zu frühen Endspurt geht, erleben wir noch einmal Gänsehautfeeling im Galazelt. Die Balladen „Tomorrow“ und „Voices“ – beides Nummer Eins Chartplatzierungen – ernten tosenden Beifall und Standing Ovations. Wie bei den vorhergehenden Künstlern vergeht die Zeit wieder einmal viel zu schnell. Auch Chris Young wird nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen. Es gibt noch die Abmoderation und den Hinweis auf die Countrynight 2016, und dann verlassen die vielen begeisterten Fans das Galazelt.

Fazit der Countrynight: Klassisches gepaart mit Neuzeitlichem, gewürzt mit einer Prise Blues – das ist ein Rezept, welches durchaus aufgeht. Wir freuen uns schon auf das Rezept im nächsten Jahr!

Rainer M. Pech
für Countrymusic24.com

 

Weitere Fotos von dem Konzert befinden sich in unserer Bildergalerie.


erstellt am 17.09.2015 von Rainer
 
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