Die Country-Legende Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Sie hinterlässt ein musikalisches Erbe, das weit über die Grenzen der Country-Musik hinausreicht – von „Jolene“ über „9 to 5“ bis zu „I Will Always Love You“.
Dolly Parton ist tot. Die US-amerikanische Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Unternehmerin starb im Alter von 80 Jahren. Ihre Familie bestätigte die Nachricht am Dienstag. Damit endet das Leben einer Künstlerin, deren unverwechselbare Stimme, ihr Humor und ihre Fähigkeit, Geschichten in wenigen Minuten zu erzählen, die Pop- und Country-Musik über Jahrzehnte geprägt haben.
Partons Geschichte begann unter einfachen Verhältnissen in den Great Smoky Mountains von Tennessee. Sie wurde am 19. Januar 1946 als eines von zwölf Kindern geboren. Schon als Kind stand sie auf der Bühne, mit 13 Jahren trat sie erstmals in der Grand Ole Opry auf. Nach ihrem Schulabschluss zog sie 1964 nach Nashville – mit dem festen Ziel, als Sängerin und Songwriterin Karriere zu machen.
Der Durchbruch kam zunächst an der Seite von Country-Star Porter Wagoner. Doch Parton wollte mehr als die Rolle der Duettpartnerin. Sie schrieb ihre eigenen Lieder und entwickelte sich bald zu einer der erfolgreichsten Solokünstlerinnen ihrer Generation.
„Jolene“ und ein Lied für die Ewigkeit
Zu ihren größten Erfolgen gehört „Jolene“. Der 1973 veröffentlichte Song erzählt von einer Frau, die eine andere bittet, ihr nicht den Partner wegzunehmen. Mit seiner eindringlichen Melodie und Partons verletzlichem Gesang wurde „Jolene“ zu einem ihrer Markenzeichen und erreichte Platz eins der Country-Charts.
Noch berühmter wurde ein anderes Lied: „I Will Always Love You“. Parton schrieb es ursprünglich als Abschied von Porter Wagoner, als sie dessen Show verließ. Ihre eigene Aufnahme wurde 1974 zum Country-Hit. Weltweit unvergesslich wurde das Stück jedoch durch Whitney Houstons Version aus dem Film „The Bodyguard“ von 1992.
Auch „Coat of Many Colors“ gehört zu den Songs, die besonders eng mit Partons eigener Biografie verbunden sind. Darin verarbeitet sie ihre Kindheit in Armut – und macht aus einer persönlichen Erinnerung eine universelle Geschichte über Familie, Würde und Stolz.
Von Country zu Pop und Hollywood
Parton ließ sich nie auf ein einziges Genre festlegen. Mit „Here You Come Again“ gelang ihr Ende der 1970er-Jahre ein großer Crossover-Erfolg. 1980 folgte „9 to 5“, der Titelsong der gleichnamigen Komödie mit Jane Fonda und Lily Tomlin. Der Song wurde zu einem ihrer größten Pop-Hits und brachte ihr zwei Grammys ein.
Auch als Schauspielerin wurde Parton zum Publikumsliebling. Neben „9 to 5“ spielte sie unter anderem in „The Best Little Whorehouse in Texas“ und „Steel Magnolias“. Parallel dazu blieb sie vor allem eines: eine außergewöhnlich produktive Songwriterin. Im Laufe ihrer Karriere schrieb sie schätzungsweise rund 3.000 Lieder.
Ihre musikalische Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger, zahlreiche Auszeichnungen und Aufnahmen, die längst zum Kanon der amerikanischen Musikgeschichte gehören. Parton wurde sowohl in die Country Music Hall of Fame als auch in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Ein Vermächtnis, das über Musik hinausgeht
Dolly Parton war jedoch längst mehr als ein Musikstar. Mit Dollywood baute sie einen erfolgreichen Freizeitpark in ihrer Heimat Tennessee auf. Besonders wichtig war ihr die Leseförderung: Ihre Imagination Library verschickt Bücher an Kinder und wurde zu einem internationalen Bildungsprogramm.
So entstand über die Jahrzehnte das Bild einer Künstlerin, die ihre Herkunft nie verleugnete. Parton verband glamouröse Bühnenauftritte mit Selbstironie, Geschäftssinn und einem ausgeprägten sozialen Engagement.
Ihr Tod markiert deshalb nicht nur das Ende einer außergewöhnlichen Musikkarriere. Er bedeutet den Abschied von einer der bekanntesten Persönlichkeiten der amerikanischen Kulturgeschichte.
Dolly Parton hat einmal sinngemäß beschrieben, dass ihre Lieder ihr die Türen zu ihren Träumen geöffnet hätten. Diese Lieder werden bleiben: „Jolene“, „9 to 5“, „Coat of Many Colors“, „Here You Come Again“ und vor allem „I Will Always Love You“. Sie erzählen von Liebe und Verlust, von Armut und Aufstieg, von Sehnsucht und Hoffnung – und damit von Dingen, die weit über die Country-Musik hinausreichen.
Dolly Parton ist gegangen. Ihre Stimme aber wird bleiben.
|